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Anleitung
zur Vipassana Meditation
Diese Zeilen soll als
Einführung in die Tradition
der Vipassana-Meditation
dienen, wie sie innerhalb
des Theravada-Buddhismus
gelehrt wird. Man muss mit
dem Buddhismus bzw. mit der
Lehre des Buddha nicht
unbedingt vertraut sein, um
sich diese Übung zunutze zu
machen. Allerdings kann
Ihnen die Kenntnis davon
helfen, das durch Meditation
entwickelte
Selbstverständnis zu
erweitern.
Sinn und Zweck der
Vipassana-Meditation ist
nicht ein Glaubenssystem zu
schaffen, sondern eine
Anleitung zu geben, wie sich
die Natur unseres Geistes
direkt erforschen lässt.
Dabei gelangen wir durch
direkte Erfahrung zu den
Dingen, wie sie sind und -
ohne uns auf Ansichten und
Theorien verlassen zu müssen
- zu einem lebendigen
Verständnis aus erster Hand.
Gleichzeitig entwickelt man
auch eine tiefe Ruhe, die
aus eigenem Wissen jenseits
aller Zweifel entspringt.
Auf diesem Weg, den der
Buddha zum Wohl der Menschen
erläutert hat, spielt die
Einsichts-Meditation eine
Schlüsselrolle. Das
Wesentliche
allerdings besteht darin,
diesen auch wirklich zu
praktizieren! Im Folgenden
werden deshalb eine Reihe
von Meditationsübungen und
praktischen Ratschlägen, wie
diese anzuwenden sind,
gegeben. Es empfiehlt sich
als das Wirkungsvollste, den
Ausführungen Schritt für
Schritt zu folgen und jede
einzelne Anleitung
sorgfältig einzuüben, bevor
Sie zur nächsten übergehen.
(Übrigens: Der Ausdruck
"Einsichts-Meditation" (samatha-vipassana)
bezieht sich auf geistige
Übungen, die Sammlung (samatha)
mittels ununterbrochener
Aufmerksamkeit und Einsicht
(vipassana) durch Beobachten
entwickeln.
Eine grundlegende Technik,
die Aufmerksamkeit
aufrechtzuerhalten, besteht
darin das Bewusstsein auf
den Körper zu richten.
Traditionellerweise wird
dies im Sitzen oder beim
Gehen geübt; die Anleitungen
beginnen deshalb mit einigen
Ratschlägen hierzu.
Reflektives Beobachten setzt
auf ganz natürliche Weise
ein, wenn Sie sich erst
einmal mit den jeweiligen
Umständen Ihrer
Meditationsübung (z.B. Ort
und Haltung) vertraut
gemacht haben. Aus dieser
Entspannung erwächst ein
Interesse; Sie beginnen sich
umzuschauen und mit dem
meditierender Geist
vertrauter zu werden. Dieses
"Sich-Umschauen" wird
Kontemplation genannt; es
ist ein persönliches und
direktes Sehen, das durch
irgendwelche Techniken bloß
angedeutet werden kann.
Das Aufrechterhalten der
Aufmerksamkeit
Meditation im Sitzen: Zeit
und Ort
Sitzen ist eine geeignete
Haltung, um den Geist auf
den Körper zu richten. Sie
sollten dafür einen
Zeitpunkt und einen Ort
wählen, an dem Sie ruhig und
möglichst ungstört üben
können. Ein ruhiger,
übersichtlicher Raum bietet
dem Geist wenig Zerstreuung
und ist deshalb ideal. Licht
und Geräumigkeit haben einen
erhellenden und klärenden
Einfluss auf den Geist; ein
düsteres und überladenes
Zimmer hingegen bewirkt das
Gegenteil.
Die richtige Zeit zu finden
ist wichtig, weil sich die
meisten von uns einen durch
Pflichten und regelmässige
Verrichtungen strukturierten
Tagesablauf haben. Es ist
nicht sonderlich produktiv,
dann meditieren zu wollen,
wenn andere Erledigungen
drängen, oder wenn Sie unter
Zeitdruck stehen. Es ist aus
diesen Gründen sinnvoller,
eine bestimmte Zeit
vorzusehen, z.B. frühmorgens
oder abends nach der Arbeit,
während der Sie sich der
Übung mit voller
Aufmerksamkeit widmen
können. Beginnen Sie mit
etwa 15 Minuten.
Üben Sie ehrlich und mit
ganzem Herzen innerhalb der
Beschränkungen von Zeit und
verfügbarer Energie, doch
vermeiden Sie in Ihren
Bemühungen mechanisch zu
werden. durch Ihre
aufrichtige Bereitschaft zur
Selbsterforschung und zur
Aussöhnung mit allem, was
Sie dabei in sich vorfinden,
wird sich Ihre Meditation
auf natürliche Weise
entwickeln, sowohl was die
geistige Geschicklichkeit
als auch die Dauer
anbelangt.
Körperbewusstsein und
Achtsamkeit
Das Entwickeln von Sammlung
(Samatha) wird durch
Stabilität und stetiges
jedoch sanftes Bemühen
unterstützt. Wenn wir uns
nicht wirklich niederlassen
können; finden wir keine
ruhe, und ohne ein gewisses
Mass an Bemühen und
Beharrlichkeit neigen wir zu
Tagträumen. Sitzen ist eine
der wirkungsvollsten
Haltungen, um in uns die
rechte Mischung aus Stille
und Energie entstehen zu
lassen.
Nehmen
Sie eine Haltung ein, in der
sich der Rücken einigermaßen
mühelos aufrechterhalten
lässt. Nebst den
verschiedenen
Lotos-Haltungen können Sie
auch einen einfachen,
geraden Stuhl oder einen
Meditationsschemel
verwenden. Die verschiedenen
Sitzhaltungen mögen zu
Beginn unbequem erscheinen,
aber nach einiger Zeit
vermitteln sie ein
einzigartiges Gleichgewicht
zwischen Entspannung und
Festigkeit, welches den
Geist erfrischt, ohne den
Körper zu ermüden.
Am besten neigen Sie das
Kinn leicht nach unten,
jedoch ohne den Kopf
vornüber hängen zu lassen,
da dies zu Schläfrigkeit
führt. Legen Sie die Hände
in den Schoss, die
Handflächen nach oben
gekehrt, eine in der anderen
ruhend, während sich die
Daumenspitzen leicht
berühren. Nehmen Sie sich
genügend Zeit, das richtige
Gleichgewicht in dieser
Haltung zu finden.
Sammeln Sie jetzt Ihre
Aufmerksamkeit und gehen Sie
damit langsam durch den
Körper. Achten Sie auf alle
Empfindungen. Lösen Sie
sanft alle Spannungen,
besonders im Gesicht, im
Nacken und in den Händen;
erlauben Sie den
Augenlidern, sich halb oder
ganz zu schließen.
Finden Sie heraus, wie Sie
sich fühlen. Sind Sie
erwartungsvoll oder
gespannt? Lassen Sie in
diesem Falle Ihre
Aufmerksamkeit sanfter
werden. Auf diese Weise kann
sich der Geist beruhigen und
Sie werden sich
hereinströmender Gedanken
bewusst: Überlegungen,
Tagträume, Erinnerungen -
oder auch Zweifel, ob Sie
gerade alles richtig machen!
Statt diesen Gedanken zu
folgen oder mit ihnen zu
kämpfen, bringen Sie Ihre
Aufmerksamkeit systematisch
vom Scheitelpunkt aus durch
den ganzen Körper. Versuchen
Sie, sich der verschiedenen
Empfindungen bewusst zu
werden, wie z.B. der Wärme,
des Pulsierens, der
Gefühllosigkeit, der
Empfindlichkeit, der
Feuchtigkeit der Handflächen
und des Pulses im
Handgelenk. Selbst
Körperteile wie Unterarme
oder Ohrläppchen, in denen
keine bestimmten
Empfindungen spürbar sind,
können mit Aufmerksamkeit
erfahren werden. Beobachten
Sie, wie Sie sich selbst des
Fehlens von Empfindungen
bewusst sein können. Dieses
ununterbrochene Erforschen
und Untersuchen wird
Achtsamkeit (Sati) genannt
und ist eines der
wichtigsten Werkzeuge in der
Vipassana-Meditation.
Anapanasati - Die
Achtsamkeit auf das Einatmen
und Ausatmen
Statt mit der Aufmerksamkeit
auf diese Weise durch den
Körper zu gehen, oder nach
einer anfänglichen Periode
dieser Übungsweise, lässt
sich Achtsamkeit auch
kultivieren, indem Sie Ihre
Aufmerksamkeit der Atmung
zuwenden. Folgen Sie als
erstes der Empfindung Ihres
natürlichen Atems,
wie
er durch die Nase strömt und
Brust und Bauchraum füllt.
Versuchen Sie nun, Ihre
Aufmerksamkeit an einem
bestimmten Punkt zu halten,
entweder in der Gegend des
Zwerchfells oder bei den
bereits subtileren
Empfindungen in der
Nasenöffnung oder an der
Oberlippe, wo evtl. der
Luftstrom spürbar ist. Die
Bewegung des Atems ist
beruhigend an sich; sie ist
gleichmässig und
entspannend, wenn wir sie
einfach geschehen lassen.
Eine aufrechte Körperhaltung
hilft dabei wesentlich.
Vermutlich wird Ihr Geist
wandern; führen Sie ihn
sanft und geduldig immer
wieder zum Atem zurück.
Es ist nicht nötig,
Konzentration so intensiv zu
entwickeln, bis Sie nebst
Ihrem Atem nichts anderes
mehr wahrnehmen. Es geht
vielmehr darum, die
Bewegungen des Geistes
wahrzunehmen und dabei ein
gewisses Maß an ruhiger
Klarheit zu erreichen, als
einen Zustand der Trance
herbeizuführen. Durch den
gesamten Prozess - das
Sammeln der Aufmerksamkeit,
das Wahrnehmen des Atems,
das Beobachten des
wandernden Geistes und
schließlich das Zurückführen
der Aufmerksamkeit zum Atem
- wird sich Achtsamkeit,
Geduld und einsichtsvolles
Verstehen entwickeln. Lassen
Sie sich also nicht durch
scheinbare "Misserfolge"
abschrecken, sondern
beginnen Sie einfach von
neuem! Wenn Sie auf solche
Weise fortfahren, wird der
Geist schließlich zur Ruhe
kommen.
Wenn Sie unruhig oder
aufgeregt werden, versuchen
Sie sich zu entspannen. Üben
Sie sich darin, mit sich
selbst in Frieden zu sein
und den Stimmen Ihres
Geistes zuzuhören, ohne
diesen notwendigerweise
Glauben zu schenken. Sollten
Sie sich schläfrig fühlen,
so wenden Sie der Haltung
und den Empfindungen Ihres
Körpers mehr Interesse und
Aufmerksamkeit zu. Unter
solchen Umständen die
Achtsamkeit verfeinern zu
wollen oder tiefere Ruhe
anzustreben, wird die
Schläfrigkeit nur
verstärken.
Gehen und Stehen
Wie die meisten
Meditationsübungen wird auch
die eben beschriebene
Achtsamkeit auf den Atem im
sitzen praktiziert.
Üblicherweise wird im
Wechsel dazu die
Meditationsform des Gehens
geübt. Gehen kann einen
belebenden Aspekt in die
Praxis bringen, wenn die
beruhigende Wirkung des
Sitzens träge macht und
bietet daneben eine Reihe
weiterer Empfindungen zur
Beobachtung an.
Messen
Sie eine ebene Strecke von
idealerweise 25 bis 30
Schritten ab, oder wählen
Sie denselben Abstand
zwischen zwei Bäumen o.ä.
markantem als
Meditationspfad. Richten
Sie, während Sie am Anfang
des Pfades stehen, den Geist
auf die Empfindungen im
Körper. Lassen Sie die Arme
natürlich herabhängen, legen
Sie die Hände sanft vor oder
hinter dem Körper ineinander
und lenken Sie Ihre
Aufmerksamkeit zunächst auf
die Empfindung des
Aufrechtstehens. Richten Sie
die Augen in etwa drei Meter
Entfernung auf einen Punkt
am Boden; Sie vermeiden
damit mögliche Ablenkungen.
Gehen Sie jetzt behutsam und
bestimmt, jedoch bei
"normaler" Geschwindigkeit
bis zum Ende des Pfades.
Halten Sie an. Werden Sie
sich während einiger
Augenblicke Ihres stehenden
Körpers gewahr. Schließlich
drehen Sie sich um und gehen
wieder zurück. Achten Sie
während des Gehens auf den
Fluss Ihrer körperlichen
Empfindungen oder richten
Sie die Aufmerksamkeit
direkt auf Ihre Füße und
dabei besonders auf die
Fußsohlen. Die Aufgabe des
Geistes ist es, die
Aufmerksamkeit immer wieder
zurückkehren zu lassen: zu
den Wahrnehmungen in den
Füssen, wie diese den Boden
berühren, zu den Abständen
zwischen jedem Schritt und
zu den Empfindungen des
Anhaltens und Weitergehens.
Natürlich wird der Geist
abschweifen. Deshalb ist es
wichtig, Geduld zu
entwickeln und sich
vorzunehmen, immer wieder
neu anzufangen.
Stimmen
Sie die Schrittart auf Ihren
jeweiligen Geisteszustand
ab: energisch, wenn Sie sich
schläfrig fühlen oder der
Geist in quälenden
Gedankenfolgen gefangen ist,
bestimmt aber sanft, wenn
Sie ruhelos und ungeduldig
sind. Halten Sie am Ende des
Pfades an und atmen Sie ein
und aus. Lassen Sie alles
los: Rastlosigkeit, Sorge,
Ruhe, Verzückung,
Erinnerungen oder Ansichten
über sich selbst. Das innere
"Geschwätz" mag für einen
Augenblick aussetzen oder
einfach verblassen. Fangen
Sie neu an. Auf diese Weise
erfrischen Sie Ihren Geist
fortwährend und erlauben
ihm, sich in seinem eigenen
Rhythmus zu beruhigen.
Wenn nur wenig Raum zur
Verfügung steht, passen Sie
die Länge des Pfades den
Umständen an. Sie können
z.B. einen Raum umschreiten
und nach jedem Rundgang eine
Pause im Stehen einlegen.
Diese Stehperiode kann bis
auf einige Minuten
ausgedehnt werden, wobei Sie
wie beim Sitzen Ihre
Aufmerksamkeit durch den
Körper gleiten lassen.
Das Gehen bringt Energie und
Fluss in die Übung. Halten
Sie Ihre Schritte
gleichmäßig und lassen Sie
die verschiedenen
Geisteszustände kommen und
gehen. Erwarten Sie nicht,
dass der Geist ebenso still
wird wie dies möglicherweise
beim sitzen geschieht,
sondern achten Sie vielmehr
auf den Strom der
Erscheinungen.
Es ist erstaunlich, wie oft
wir uns völlig in Gedanken
verlieren können, ohne zu
bemerken, dass wir uns
bereits am Ende unseres
Meditationspfades befinden;
doch ist es völlig normal,
dass sich ein noch ungeübter
Geist in Gedanken und
Stimmungen verirrt. Statt
sich also in Ungeduld über
diesen Umstand zu ergehen,
lernen Sie, loszulassen und
neu zu beginnen.
Auf diese Weise erfahren Sie
ein Gefühl von Gelassenheit
und Stille, in der sich der
Geist zwanglos klärt und
natürlich öffnet.
Liegen
Vor dem Einschlafen am Ende
des Tages ist es gut, für
einige Minuten auf der
rechten Seite liegend zu
meditieren.
Halten
Sie den Körper gerade und
winkeln Sie den einen Arm
an, damit Sie den Kopf in
die Hand legen können,
welche diesen leicht
unterstützt.
Lassen Sie Ihre
Aufmerksamkeit durch den
Körper gleiten und dabei
alle Spannungen auflösen;
oder achten Sie auf Ihren
Atem und legen Sie bewusst
alle Erinnerungen des
vergangenen Tages und alle
Erwartungen für morgen
beiseite. Nach einigen
Minuten wird es Ihnen leicht
fallen, mit klarem Geist
ruhig zu schlafen.
Die Entfaltung des Herzens -
Metta-Bhavana
Wenn wir durch unsere Übung
lernen, Freundlichkeit und
Wohlwollen (metta) ins
Dasein zu rufen (bhavana),
gewinnt die
Einsichtsmeditation eine
weitere Dimension.
Meditation lehrt uns auf
natürliche Weise Geduld und
Toleranz - oder zeigt uns
zumindest den Wert dieser
Eigenschaften auf. Es ist
aufgrund dieser Erkenntnis
leicht vorstellbar, dass Sie
sich wünschen, freundlicher
und einfühlsamer mit sich
selbst und anderen zu
werden. Meditation wird
Ihnen ermöglichen,
Freundlichkeit und
Wohlwollen auf eine
realistische Weise zu
entwickeln.
Richten Sie Ihre
Aufmerksamkeit nun auf den
Atem; sein Ein- und
Ausströmen wird Ihnen
helfen, Güte und
Freundlichkeit auszusenden.
Beginnen Sie mit sich
selbst, bei Ihrem Körper.
Visualisieren Sie den Atem
als Licht oder warmen Strahl
und gleiten Sie damit nach
und nach durch den ganzen
Körper. Lenken Sie nun Ihre
Aufmerksamkeit in die
Herzgegend und richten Sie
bei jedem Einatmen ein
Gefühl geduldiger
Freundlichkeit auf sich
selbst; Sie können dieses
mit einem bewusst gedachten
Wunsch begleiten, z.B. "möge
es mir gut gehen" oder
"Frieden". Lassen Sie beim
Ausatmen die Stimmung dieses
Wunsches aus dem Herzen sich
zuerst auf Ihren Körper
ausdehnen, dann auf den
Geist und schließlich
darüber hinaus. "Möge es
anderen wohl ergehen."
Anstelle eines bewusst
gedachten Wunsches können
Sie auch mit der Vorstellung
von Licht in Ihrem Inneren
beginnen, das Sie in
gleicher Weise zuerst auf
sich und schließlich auf
andere ausdehnen.
Falls Sie negative
Geisteszustände erleben,
rufen Sie eine Empfindung
von Toleranz und Vergebung
in sich wach und atmen diese
ein. Es kann hilfreich sein,
sich den Atem in einer
heilenden Farbe
vorzustellen. Lassen Sie
beim Ausatmen alle
Anspannung, Sorge oder
Negativität los und geben
Sie einer Empfindung von
Erleichterung Raum, bis sich
diese wie zuvor vom Körper
auf den Geist und
schließlich darüber hinaus
ausdehnt.
Diese Übung kann je nach
Ihrem Gutdünken einen Teil
oder die volle Dauer Ihrer
Meditation einnehmen.
Meditieren mit einer
freundlichen und
wohlwollenden Gesinnung ist
beruhigend und damit
besonders gut für den Beginn
einer Sitzperiode, doch es
wird zweifellos Augenblicke
geben, in denen sich diese
Übung für eine längere Dauer
empfiehlt, um sich dem
Herzen tiefer zu öffnen.
Vergegenwärtigen Sie sich zu
Beginn genau, was Sie jetzt
in diesem Augenblick erleben
- egal wie konfus oder
trivial Ihnen dies auch
scheinen mag. Lassen Sie
Ihren Geist verweilen, auch
wenn es Langeweile, ein
schmerzendes Knie oder die
Frustration ist, sich nicht
eben freundlich zu fühlen.
Erlauben Sie all diesen
Gefühlen da zu sein, und üben
Sie sich darin, in Frieden
damit sein zu können. Achten
Sie auf Tendenzen zu
Trägheit, Zweifel oder
Schuldgefühlen und legen Sie
diese sachte beiseite.
Friedfertigkeit kann sich in
eine begütigende und
nährende Freundlichkeit sich
selbst gegenüber verwandeln,
wenn Sie erst einmal offen
und ganz die Gegenwart all
dessen akzeptieren lernen,
was Sie innerlich mit
Abneigung erfüllt. Bleiben
Sie wachsam und öffnen Sie
Ihr Herz allem, was immer
sich auch in Ihnen zutragen
mag. Dies heißt nun nicht,
negative Geisteszustände
gutzuheißen, sondern
vielmehr, Ihnen lediglich
jenen Raum zu schaffen, um
kommen und ebenso wieder
gehen zu können.
Auf ähnliche Weise können
Sie Freundlichkeit für die
Welt außerhalb Ihrer selbst
entwickeln; dies lässt sich
auf einfachste Weise
verwirklichen, indem Sie
Wohlwollen und Güte in
verschiedenen Schritten
aussenden. Sie beginnen
dabei mit sich selbst und
verbinden mit der
Atembewegung ein Gefühl
liebevoller Selbstannahme
und den Wunsch "Möge es mir
gut gehen". Rufen Sie sich
daraufhin Menschen ins
Bewusstsein, die Sie lieben
und respektieren und umgeben
Sie diese mit Herzlichkeit
und wünschen Sie Ihnen
Gutes. Gehen Sie dann über
zu Bekannten, denen Sie sich
freundschaftlich verbunden
fühlen und danach zu
Menschen, welche Ihnen
gleichgültig sind: "Möge es
diesen Menschen gut gehen."
Schließlich rufen Sie sich
Menschen ins Bewusstsein,
vor denen Sie Angst haben,
oder die Ihnen unangenehm
sind; fahren Sie fort,
weiterhin gute Wünsche und
Wohlwollen auszustrahlen.
Diese Meditation kann sich
in einer Bewegung des
Mitgefühls ausweiten und
schließlich die ganze Welt
und all ihre Menschen in den
verschiedensten
Lebensumständen
miteinschliessen. Vergessen
Sie bitte nicht, dass Sie
nicht alle Menschen lieben
müssen, um ihnen Gutes zu
wünschen!
Freundlichkeit und Mitgefühl
entspringen derselben Quelle
des Wohlwollens; beide
erweitern den Geist und
eröffnen uns eine
Perspektive jenseits unseres
unmittelbar persönlichen
Horizontes. Mitgefühl
entsteht von selbst, sobald
wir nicht länger versuchen,
den Lauf der Dinge stets
nach unserem Willen zu
manipulieren, wenn wir
feinfühliger werden und uns
selbst und andere leichter
annehmen lernen, wie sie
sind. Mitgefühl ist die
natürliche Empfindsamkeit
unseres Herzens.
Reflexion
Achtsamkeit ohne zu wählen
Meditation kann auch ohne
Objekt, in einem Zustand
reiner Beobachtung oder
"wahlloser Achtsamkeit"
erfolgen.
Nachdem Sie den Geist
mittels einer der
beschriebenen Methoden
beruhigt haben, legen Sie
den Gegenstand Ihrer
Meditation bewusst zur
Seite. Beobachten Sie jetzt
in Ihrem Inneren den Strom
von Bildern und
Empfindungen, ohne dass Sie
sich dabei mit Lob und
Kritik einmischen. Achten
Sie auf Ihren Widerwillen
oder Ihre Faszination;
betrachten Sie das Aufkommen
von Unsicherheit,
Glücksgefühlen, von
Ruhelosigkeit oder Stille.
Sie können jederzeit zu
einem bestimmten
Meditationsobjekt
zurückkehren (z.B. dem
Atem), sollte sich Ihre
Klarheit verlieren, oder Sie
sich von aufsteigenden
Sinneseindrücken überwältigt
fühlen. Sobald sich danach
wieder eine gewisse
Stabilität einstellt, können
Sie das Objekt wiederum
fallenlassen.
Diese Übung "reiner"
Aufmerksamkeit eignet sich
ausgezeichnet, um den
geistigen Prozess zu
betrachten. Nebst dem
Beobachten der besonderen
"Ingredienzien" des Geistes,
können Sie die
Aufmerksamkeit auf das Wesen
des "Gefässes" selbst
richten. Was Geistesinhalte
anbetrifft, so weist die
buddhistische Lehre auf drei
einfache und grundlegende
Erscheinungsmerkmale hin.
Das erste ist die
Vergänglichkeit oder
Wechselhaftigkeit anicca,
jenes ununterbrochene
Entstehen und Vergehen, dem
alle Dinge unterworfen sind;
es ist die immerwährende
Ruhelosigkeit aller Inhalte
des Geistes. Unsere innere
Gedanken- und Bilderwelt mag
angenehm oder unangenehm
sein, doch sie kommt niemals
zur Ruhe.
Weiter nehmen wir dukkha
wahr, ein Gefühl
anhaltender, häufig kaum
merklicher Unzufriedenheit.
Unangenehme Empfindungen
rufen dieses Gefühl leicht
in uns wach. Selbst schöne
Erfahrungen bringen uns mit
ihrem Ende jenen leichten
Riss im Herzen. So sind
selbst die besten
Augenblicke unserer
Erfahrung irgendwie
vorläufig und lassen uns mit
einem unbestimmten Gefühl
fehlender Befriedigung
zurück. Wenn Sie mit dem
unablässigen Entstehen und
Vergehen von Stimmungen und
inneren Ereignissen
vertrauter geworden sind,
erkennen Sie, dass diesen
keine Beständigkeit
innewohnt und sie damit auch
nicht wirklich Ihnen
gehören. Und wenn all das
innere Stimmengewirr
schließlich einmal zum
Schweigen kommt, was die
strahlende Raumesfülle des
Geistes offenbar werden
lässt, werden Sie darin
keine wirklich persönlichen
Merkmale mehr finden! Wie
schwierig das auch im
Augenblick vielleicht für
Sie zu erfassen sein mag: es
gibt in Wirklichkeit kein
"Ich" oder "Mein". Dies ist
das Erscheinungsmerkmal der
Unpersönlichkeit, des
"Nicht-Selbst": anatta.
Erforschen Sie diese
Zusammenhänge gründlich und
beachten Sie, wie diese
Merkmale in allen
Erscheinungen, körperlichen
und geistigen, gegenwärtig
sind. Egal ob Ihre
Erfahrungen erfreulich sind
oder kaum mehr auszuhalten,
diese Betrachtungen werden
Ihnen zu einer ruhigen und
ausgeglichenen Lebenshaltung
verhelfen.
Einige Gedanken zu Übung
All diese verschiedenen
Meditationsübungen dienen zu
Bewusstwerdung der Dinge,
wie sie wirklich sind.
Während Sie sich einer
bestimmten Erfahrung mit
aller Aufmerksamkeit
zuwenden, werden Sie den
Zustand des Geistes selbst
klarer erkennen - z.B. ob
Sie träge oder übereifrig in
Ihrer Meditationspraxis
sind. Mit ein wenig
Ehrlichkeit wird es
offensichtlich, dass die
Qualität der
Meditationsübung nicht von
der jeweils angewandten
Methode abhängt, sondern vom
Maß Ihres Engagements.
Beobachtungen dieser Art
werden Ihnen tiefere
Einsicht in Ihre
Persönlichkeit und Ihre
Gewohnheiten vermitteln.
Es mag sich als nützlich
erweisen, beim Üben folgende
Punkte im Auge zu behalten:
Beginnen Sie jedes Mal von
neuem? Besser noch: Ist
jeder Atemzug oder jeder
Schritt ein neuer Anfang?
Wenn Sie während des Übens
nicht offen bleiben, werden
Sie sich möglicherweise beim
Versuch ertappen, alte
Einsichten wiederholen zu
wollen, oder Sie werden sich
unwillig finden, aus Fehlern
wirklich zu lernen. Stehen
Ihre Kräfte im richtigen
Verhältnis? Geben Sie sich
mit ganzem Herzen der Übung
hin, ohne sich dabei zu
verkrampfen? Sind Sie
wirklich in Berührung mit
den Geschehnissen in Ihrem
Geist, oder wenden Sie
einfach stumpf und
mechanisch eine Technik an?
Was Konzentration anbelangt,
so lohnt es sich zu
überprüfen, ob Sie im
Augenblick unwichtige
Angelegenheiten auch
tatsächlich loslassen, oder
ob Sie abschweifen und
Gedanken und Stimmungen
nachhängen. Versuchen Sie,
bestimmte Gefühle zu
unterdrücken? Können Sie
sich diese eingestehen und
damit einsichtig umgehen
lernen?
In rechter Konzentration
vereinigen sich Herz und
Geist; wenn Sie Ihre
Betrachtungen unter diesem
Gesichtspunkt beginnen, wird
Ihnen dies zu einer
richtigen Einstellung
verhelfen. Natürlich wird
Sie diese betrachtende
Reflexion mehr lehren als
nur zu meditieren; Sie
werden dadurch die Klarheit
für ein wirkliches
Selbstverständnis gewinnen.
Vergessen Sie nicht, dass
sich ein Meditationsobjekt
wie der Atem solange als
sinnvoll empfiehlt, bis sich
ein bestimmtes Maß an
Vertrautheit und Geschick in
Ihrer Meditationspraxis
einstellt; benützen Sie
einen solchen Gegenstand als
Sammelpunkt Ihrer
Aufmerksamkeit - und als
Gegenmittel für den
scheinbar unüberwindlichen
Hang des Geistes, sich zu
zerstreuen. Auch nachdem Sie
mit Meditation bereits
einige Erfahrung haben,
lohnt es sich immer wieder,
zur Achtsamkeit auf dem Atem
und die Körperempfindungen
zurückzukehren. Immer wieder
neu anfangen zu lernen,
verschafft uns eine
Gelassenheit und innere
Festigkeit. Durch eine
ausgewogene Praxis erkennen
Sie mehr und mehr vom Wesen
Ihres Körpers und Ihres
Geistes, und ein solches
Verständnis lehrt Sie, in
grösserer Harmonie und
Freiheit zu leben. Dies ist
der Zweck und das Ziel von
Vipassana-Meditation.
Einsichtsvoll leben
Durch die Übung von
Einsichtsmeditation gewinnen
Sie größere Klarheit über
Ihre Einstellungen und
lernen erkennen, welche
Ihnen von Nutzen sind und
mit welchen Sie sich
Schwierigkeiten schaffen.
Eine offene Geisteshaltung
kann auch unangenehme
Ereignisse in einsichtsvolle
Erfahrungen verwandeln, so
z.B. ein Verständnis
bringen, wie der Geist auf
Krankheit oder Schmerz
reagiert. Diese Haltung
mildert während schwieriger
Erfahrungen oftmals bereits
die allgemeine Anspannung
und Belastung und hilft
Ihnen, innere Widerstände
gegen den Schmerz abzubauen,
wobei sich dieser zu einem
großen Teil verringern kann.
Andererseits wird eine
Neigung zur Ungeduld sich
entsprechend äußern:
Reizbarkeit, wenn andere
Ihre Meditation stören;
Enttäuschung, wenn Ihre
Übung nicht schnell genug
Fortschritte zu bringen
scheint, oder Sie verfallen
über unbedeutende
Angelegenheiten in schlechte
Laune.
Meditation lehrt uns, dass
Geistesruhe - oder ihre
Abwesenheit - grundsätzlich
davon abhängt, ob wir bereit
sind, über die Ereignisse
unseres Lebens zu
reflektieren, und verstehen,
diese mit
Unvoreingenommenheit zu
betrachten.
Wenn
Sie sich Ihre Absichten und
Einstellungen in der Stille
der Meditation genauer
ansehen, können Sie den
Zusammenhang von Verlangen
und Unzufriedenheit
untersuchen. Betrachten Sie
die Gründe Ihrer
Unzufriedenheit: Wollen, was
Sie nicht haben; Ablehnen,
was Sie nicht mögen; und die
Unfähigkeit letztlich
irgendetwas festhalten zu
können. Dies wird besonders
bedrückend, wenn Sie selbst
der Gegenstand Ihres
Verlangens und Ihrer
Unzufriedenheit sind. Es
fällt niemandem leicht, sich
mit persönlichen Schwächen
auszusöhnen - und besonders
nicht in einer Gesellschaft,
der es so nachdrücklich um
"unbeschwertes Leben",
"rasches Vorwärtskommen" und
"das Beste kriegen" geht.
Mit Erwartungen dieser Art
machen Sie es sich nicht
eben leicht, sich selbst so
anzunehmen, wie Sie nun
einmal sind.
In der Übung von
Einsichtsmeditation werden
Sie einen inneren Raum
entdecken, der Ihnen von all
dem, was Sie zu sein
scheinen und zu haben
meinen, einen kleinen
Schritt Abstand ermöglicht.
Wenn Sie Ihre Wahrnehmungen
betrachten, wird es
zunehmend klarer, dass es
kein Ding gibt, das "Ich"
oder "Mein" ist; was sich
ereignet, sind lediglich
Erfahrungen, die in unserem
Geist kommen und gehen. Wenn
Sie z.B. auf eine
irritierende Gewohnheit
stoßen, bleiben Sie
unbeeindruckt beim reinen
Beobachten - anstelle sich
davon deprimieren zu lassen.
Dadurch bestärken Sie diese
Gewohnheit nicht länger und
sie wird abklingen. Sie mag
wiederkehren, doch diesmal
schwächer, und Sie wissen
jetzt, wie damit umzugehen
ist. Während Sie sich in
sanfter Achtsamkeit üben,
beruhigen sich Gedanken und
Bilder Ihres Geistes oder
verklingen sogar ganz; was
zurückbleibt, ist ein klares
und erfrischtes Bewusstsein.
Dies ist der Pfad wachsender
Einsicht.
Wenn wir fähig sind mitten
im wechselhaften Fluss
unseres täglichen Lebens in
die ruhende Mitte bewusster
Gegenwart zurückzufinden,
ist dies ein Zeichen reifer
Meditationspraxis, denn
Einsicht vertieft sich
unendlich, wenn sie alle
Aspekte unseres Lebens
erfasst. Versuchen Sie, die
Perspektive Ihrer
Einsichtsübung in alle Ihre
Tätigkeiten einzubringen,
egal ob bei der Hausarbeit,
beim Autofahren oder beim
Teetrinken. Sammeln Sie Ihre
Aufmerksamkeit und halten
Sie diese unverwandt bei
ihrer Tätigkeit aufrecht;
fragen Sie dabei inmitten
aller Aktivität behutsam
nach dem jeweiligen Zustand
und der Stimmung Ihres
Geistes. Durch diese Übung
können Sie Achtsamkeit
anhand körperlicher
Wahrnehmungen, geistiger
Zustände, oder des Seh-,
Hör-, und Riechbewusstseins
vertiefen und damit die
alltäglichsten Verrichtungen
in fortlaufender Betrachtung
in eine Grundlage der
Einsicht verwandeln.
Wenn der Geist mehr und mehr
aus dieser bewussten
Gegenwart lebt, wird er
freier und lernt, den
Bedürfnissen des Augenblicks
auf sinnvolle Weise zu
entsprechen; dadurch
erfahren wir größere
Harmonie in unserm Leben.
Und dies ist auch der
soziale Aspekt aller
Meditation: indem sie
Achtsamkeit in unser Leben
bringt, bringt sie auch
Frieden in die Welt. Denn
wenn Sie friedlich mit der
Unzahl verschiedener
Erfahrungen in Ihrem
Bewusstsein zu leben
verstehen, werden Sie auch
fähig, offener mit der Welt
und sich selbst zu leben.
Empfehlungen zur Bewussten
Lebensführung
Mit zunehmender Einsicht
erkennen wir die Folgen
unserer Handlungen: zum
einen den Frieden, welcher
durch rechte Absicht,
Aufrichtigkeit und geistige
Klarheit kommt; zum andern
die Schwierigkeiten, in
welche uns Verwirrung und
Achtlosigkeit bringen.
Es ist auch jene größere
Empfindsamkeit, die uns für
den im eigenen und im Leben
anderer verursachten Schmerz
hellhöriger werden lässt.
Diese wachsende
Hellhörigkeit hält uns zu
einer sinnvolleren
Lebensweise an. Um
wirklichen inneren Frieden
zu erfahren, ist es
unerlässlich, formale
Meditation mit einem
Engagement zu lebendiger
Anteilnahme und
Verantwortung sich selbst
und anderen gegenüber zu
verbinden.
Der Weg der Einsicht hat
nichts wirklich
Geheimnisvolles an sich. In
Buddhas eigenen Worten: "Tu
Gutes, unterlasse Schlechtes
und läutere deinen Geist".
Menschen, die sich einer
spirituellen Übung widmen,
legten seit jeher großes
Gewicht auf rechtes
Verhalten. Viele
Meditierende bemühen sich
ernsthaft, ihr Leben nach
realistischen, ethischen
Grundsätzen auszurichten,
wie z.B. keine lebenden
Wesen zu schädigen, sich
achtloser sexueller
Handlungen zu enthalten,
keine Rauschmittel (Alkohol,
Drogen) zu sich zu nehmen,
und auf Klatsch und andere
unrühmliche
Sprechgewohnheiten zu
verzichten; Damit fördern
Sie ihre eigene Klarheit und
ermutigen möglicherweise
auch andere in dieser
Richtung.
Regelmässigkeit und
Unterstützung durch eine
Gruppe
In einem kleinen Kreis von
Freunden und Freundinnen
regelmäßig zu meditieren,
kann beträchtlich dazu
beitragen, die Kontinuität
der Übung zu stärken und
Weisheit zu vertiefen.
Einzeln Meditierende
verlieren leicht einmal
Motivation und Geduld. Es
gibt nahezu immer etwas, das
wichtiger scheint (oder
zumindest interessanter),
als den Atem zu beobachten.
Gemeinsam mit einer Gruppe
regelmäßig und für eine
zuvor festgesetzte Dauer in
Meditation zu sitzen, hält
alle Übenden bei der Praxis,
unabhängig von individuellen
Stimmungsschwankungen.
Genaueres Untersuchen
solcher Stimmungswechsel
bringt häufig wertvolle
Einsichten, doch auf uns
alleine angewiesen, kann es
uns schwer fallen, in
solchen Augenblicken die
Übung fortzuführen.
Abgesehen vom unmittelbar
persönlichen Nutzen, den Sie
durch Ihre Bemühungen
erfahren, denken Sie daran,
wie Sie dadurch auch anderen
in deren Praxis helfen.
Körperhaltung
Ideal ist eine aufrechte und
wachsame Haltung. Einsinken
und Vorn- überhängen erhöht
nur den Druck in den Beinen
und das Unbehagen im Rücken.
Es ist entscheidend, Ihren
Körper mit Weisheit aufrecht
zu halten und nicht mit
gefühlloser Willenskraft!
Ihre Haltung wird sich nach
einiger Zeit verbessern,
doch Sie müssen mit dem
Körper arbeiten lernen und
nicht gewaltsam gegen ihn.
Überprüfen Sie Ihre Haltung:
-
Ist das Becken nach
hinten gekippt? Dies
wird zu einem Einsacken
des Oberkörpers führen.
-
Das Kreuz sollte seine
natürliche Krümmung
beibehalten, damit sich
der Bauch entspannt und
"offen" anfühlt.
-
Stellen Sie sich vor,
jemand lege Ihnen eine
Hand zwischen die
Schulterblätter und
schiebe Sie sanft nach
vorne - halten Sie dabei
die Rückenmuskeln
entspannt; Sie können
sich so vor Augen
führen, ob Sie unbewusst
Ihre Schultern krümmen
und nach vorne einsinken
(und dabei Ihren
Brustkorb einengen).
-
Achten Sie auf
Spannungen in Hals- und
Schulterregion und
versuchen Sie diese
sanft zu lösen.
Wenn sich Ihre Haltung
verspannt oder kraftlos
anfühlt:
-
Erlauben Sie der
Wirbelsäule, sich
langsam zu strecken und
stellen Sie sich vor,
Sie seien von oben am
Scheitelpunkt
aufgehängt. Damit werden
Sie auch das Kinn leicht
einziehen und in die
rechte Neigung bringen.
-
Halten Sie die Arme
leicht gegen den Bauch
gelehnt. Wenn Sie sie zu
weit vorne halten,
werden Sie aus dem
Gleichgewicht gezogen.
-
Nehmen Sie ein kleines,
festes Kissen unter der
hinteren Gesäßhälfte, um
die richtige Neigung des
Beckens zu erreichen.
Für die Beine:
-
Machen Sie einige
Dehnungsübungen (z.B. im
Sitzen bei gestreckten
Beinen die Zehen
fassen).
-
Falls Sie während einer
Sitzperiode große
Schmerzen haben, ändern
Sie die Position; setzen
Sie sich auf einen
Schemel oder Stuhl; oder
stehen Sie für eine
Weile auf.
-
Wenn Sie normalerweise
am Boden oder sehr
niedrig sitzen (oder
dies lernen möchten),
experimentieren Sie mit
Kissen verschiedener
Größe und Festigkeit,
oder Sie probieren einen
der speziellen
Meditationsschemel aus.
Bei Schläfrigkeit:
-
Versuchen Sie, mit
offenen Augen zu
meditieren.
-
Lassen Sie ihre
Aufmerksamkeit
systematisch durch den
Körper gleiten.
-
Lenken Sie ihre
Aufmerksamkeit eher auf
den ganzen Körper und
körperliche Empfindungen
als auf einen bereits
subtileren
Meditationsgegenstand
wie den Atem.
-
Stehen Sie auf und gehen
Sie eine Weile achtsam
an der frischen Luft hin
und her.
Bei Spannungen und
Kopfschmerzen:
-
Möglicherweise üben Sie
zu angestrengt - das
wäre nicht ungewöhnlich!
Lockern Sie ihre
Konzentration; z.B.
können Sie die
Aufmerksamkeit auf die
Bauchdecke richten und
den Empfindungen der
Atembewegung folgen.
-
Versuchen Sie
wohlwollende Gefühle in
sich wachzurufen (siehe
"Entfaltung des
Herzens") und richten
Sie diese auf die
Spannung in der
betreffenden
Körpergegend.
-
Schmerzen und
Verspannungen des
Körpers lösen sich
leichter, wenn Sie
versuchen, ein warmes,
begütigendes Licht auf
die Spannungsgegend zu
richten.
Lotossitz
Halblotossitz
Lotossitz mit
Kissen

Sukhasana (bequemer Sitz)
Meditationsbank
Quelle des Urtextes:
"Einführung in die
Einsichtsmeditation",
Dhammapala Verlag 1990 (ISBN
3 905 431 02 5)
Meditation kann für Menschen
in tiefen Lebenskrisen oder
mit psychischen Problemen
kein Ersatz für eine
ärztliche oder
therapeutische Behandlung
sein. In solchen Fällen
sollte vorab mit einem Arzt
oder Therapeuten geklärt
werden, ob eine
Einsichtsmeditation sinnvoll
und hilfreich ist.
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