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Ein kurzer Überblick über
das Leben Buddhas
Der Buddhismus ist eine der
großen Weltreligionen und
doch unterscheidet er sich
von den anderen in einem
wichtigen Punkt. Es gibt im
Buddhismus keinen Gott, den
man anbeten könnte, denn
Buddha hat nach der
buddhistischen Lehre das
Nibbāna (Parinibbāna)
erreicht. Dies ist kein Ort
im allgemeinen Sinn, sondern
ein geistiger Zustand im
Leben (vgl. oben).
Folglich kann Buddha auch
keine Gebete hören oder gar
Einfluss auf diese Welt
nehmen.
Das Parinibbāna könnte man
mit „Völligem Nibbāna“
übersetzen, es ist ein
Synonym für Nibbāna, bezieht
sich also nicht bloß auf das
beim Tode des Vollkommen
Heiligen eintretende
Erlöschen der Daseinsgruppen
(Khandhā-Nibbāna), wie
vielfach angenommen wird.
Das allgemein bekannte
Nibbāna bedeutet einen
Geistes- und Herzenszustand,
der lediglich im Leben und
besonders im menschlichen
Leben verwirklicht werden
kann. Dieses höchste
Heilsziel ist
charakteristisch für die
Lehre des Buddha. Es wird
verwirklicht, indem der
kulturübergreifende
Befreiungsweg von Ethik,
Ruhe und Einsicht vollkommen
entfaltet wird. Gemäß dieser
Lehre hat es also jeder
Mensch selbst in der Hand,
ob und in welchem Maße er
oder sie diesen Weg durch
wachsende Achtsamkeit
entfaltet. Der Buddha
fordert uns dazu auf, die
kostbare Chance des
menschlichen Lebens nicht
ungenutzt verstreichen zu
lassen.
Um 563 v. Chr., so die
Gelehrten, wurde Buddha als
Siddhattha Gotama geboren.
Sein Vater war nach der
indischen Überlieferung
Suddhodana aus der Sippe der
Gotama vom stolzen
Sākya-Stamm. Das war einer
der wohlhabendsten
Kriegerstämme seiner Zeit.
Er war König von
Kapilavatthu, einem Land am
Fuße des Himalajagebirges
und heute eine Stadt in
Nepal.
Verheiratet war Suddhodana
mit zwei Frauen, den
Schwestern Māyā und
Mahāpajāpatī Gotamī. Māyā
wurde die Mutter von
Siddhattha Gotama, der
später zum Buddha werden
sollte, und mit Mahāpajāpatī
Gotamī hatte er den Sohn
Nanda und die Tochter
Sundarīnandā. Alle lebten
zusammen in einem Palast.
Etwa 10 Monate vor der
Geburt des Siddhattha Gotama
war in Kapilavatthu das
Vollmondfest angesagt
worden. Königin Māyā feierte
das Fest bereits vom 7. Tag
vor dem Vollmond an. Sie
trank keine berauschenden
Getränke und beging es mit
vielen Blumen und
Wohlgerüchen. Am Tag des
Vollmondes badete sie in
duftendem Wasser und
verteilte 400.000 Münzen als
Almosen. Im vollen Schmuck
aß sie die erlesensten
Speisen, legte die
Uposatha-Gelübde ab und
bettete sich im königlichen
Schlafgemach zur Ruhe.
Im Schlaf hatte sie den
folgenden, für ihren
künftigen Sohn wegweisenden,
Traum:
Vier
große Könige hoben sie
von ihrem
Schlaflager empor und
führten sie zum Himalaja, wo
sie auf der Hochebene
Manosila niedergelassen
wurde. Dann kamen die
Königinnen und führten sie
zum Anottatasee, wo Māyā mit
einem Bad von der
menschlichen Unreinheit
gesäubert wurde.
Anschließend wurde sie mit
Wohlgerüchen gesalbt, mit
himmlischen Gewändern
bekleidet und mit göttlichen
Blumen bedeckt. Auf einem
nahen Silberberg befand sich
ein goldener Palast, in dem
ihr ein nach Osten
ausgerichtetes Lager
bereitet wurde, auf das man
sie legte. Nun wurde der
Bodhisatta ein weißer
Elefant. Er ging zu einem
goldenen Berg, der nicht
weit vom Goldpalast auf dem
Silberberg entfernt lag.
Dann stieg er hinab und ließ
sich, von Norden
herantretend, auf dem
Silberberg nieder. Sein
Rüssel glich einer
Silberschnur und hielt eine
weiße Lotosblume.
Schließlich trat er
trompetend in den goldenen
Palast ein, machte dreimal
einen Kreis um das Bett mit
Königin Māyā – seiner Mutter
– schlug ihre rechte Seite
und trat in ihren Schoß.
Dadurch erhielt er eine neue
Existenz.
Am folgenden Morgen erwachte
Māyā in ihrem Bett und
erzählte ihrem Gemahl den
seltsamen Traum. König
Suddhodana berief 64
berühmte Brahmanen, erwies
ihnen Ehre, befriedigte sie
mit ausgezeichneter Nahrung
und überhäufte sie mit
Geschenken. Nachdem er den
Brahmanen genügend Zeit
gelassen hatte, sich an
Speisen, Getränken und den
Geschenken wohl zu tun, ließ
er ihnen den Traum in allen
Details erzählen und
befragte sie nach seiner
Bedeutung. Die Brahmanen
brauchten nicht lange
darüber nachzudenken und
sagten:
„Habe keine Furcht, o König;
die Königin hat einen Knaben
empfangen und nicht ein
Mädchen, du wirst einen Sohn
haben; und wenn er in einem
Hause verbleiben wird, wird
er ein König, ein Herr über
die ganze Welt werden; wenn
er sein Haus verlässt und
der Welt den Rücken kehrt,
wird er ein Buddha werden,
der auf der Erde den
Schleier (der Unwissenheit)
fortziehen wird.“
Über diese Nachricht war der
König hocherfreut; würden
sich demnach doch all seine
Wünsche nach einem würdigen
Nachfolger erfüllen...
Vor der Geburt des
Siddhattha Gotama
Zehn Monate lang trug
Königin Māyā den Bodhisatta
wie Öl in einer Schale. Als
die Zeit der Niederkunft
gekommen war machte sie sich
auf nach Devadaha, der
Stadt, in der ihre
Verwandten lebten. König
Suddhodana war damit
einverstanden und ließ den
ganzen Weg vor ihrer Abreise
mit Blumen, Fahnen und
Bannern schmücken. Bei der
Abreise saß die Königin in
einem goldenen Tragsessel,
den 1.000 Höflinge trugen.
Außerdem hatte sie noch ein
großes Gefolge – so die
Legende.
Zwischen Kapilavatthu und
Devadaha lag ein Lusthain
von Salbäumen, der
Lumbinī-Hain genannt wurde
und den Bewohnern beider
Städte gleichermaßen
gehörte. „Zu jener Zeit
waren die Bäume von den
Wurzeln bis zu den
Astspitzen mit Blumen
übersät.“ Als die Königin
diesen wunderschön
anzublicken Hain sah, kam in
ihr der Wunsch auf, sich im
Haine zu ergehen. Sie stieg
von ihrem Tragsessel,
schritt auf einen der
Salbäume zu und streckte
ihre Hand nach einem der
Äste aus.
Die Geburt des Siddhattha
Gotama
Der Ast neigte sich Königin
Māyā wie die Spitze eines
biegsamen Bambusrohres
entgegen, so
dass sie ihn ergreifen
konnte. Just in diesem
Augenblick wurde sie von den
Geburtswehen geschüttelt.
Die Menschen aus ihrem
Gefolge richteten einen
Vorhang für sie her und
zogen sich zurück. Noch
stehend und den Ast in
Händen haltend gebar sie.
Während andere Wesen bei der
Geburt mit unreiner Materie
behaftet sind, war dies bei
dem Bodhisatta nicht so –
berichtet das Jākata über
Buddhas Geburt. Der
Bodhisatta trat aus seiner
Mutter „wie ein Prediger der
Lehre, der vom Lehrstuhl
hinabsteigt“. Unbefleckt von
jeglicher Unreinheit und
leuchtend wie ein Juwel auf
einem Gewebe von Benares.
Bei der Geburt des Buddha
erschien ein großes Licht am
Himmel und die Götter
neigten sich aus den Wolken,
um ihm zur Seite zu stehen.
Außerdem heißt es, dass die
Zeit der Geburt des Buddha
von einem Sternenregen
begleitet war.
Doch das seltsame
Himmelslicht war nicht die
einzige Merkwürdigkeit, die
sich bei der Geburt des
Buddha ereignete: Die Tauben
begannen zu hören, die
Stummen zu sprechen und die
Lahmen konnten wieder gehen.
Siddhattha Gotamas Leben bis
zur Suche
Bereits unmittelbar nach
seiner Geburt reisten Könige
aus fernen Königreichen an,
um ihn auf dieser Welt zu
begrüßen. Dies allein deutet
schon darauf hin, dass die
Geburt des Siddhattha Gotama
etwas Besonderes war; ihn
etwas Mystisches umgab.
Seine Mutter, Königin Māyā,
konnte dies alles leider
nicht mehr miterleben, da
sie wenige Tage nach der
Niederkunft gestorben war.
Und so wuchs Siddhattha
Gotama als Halbwaise auf und
wurde von Mahāpajāpatī
Gotamī, seiner Tante und
gleichzeitig auch seiner
Stiefmutter, da Suddhodana
ebenfalls mit ihr
verheiratet war,
großgezogen. Trotzdem nicht
allzu viel über seine Jugend
geschrieben wurde, gibt uns
die Legende ein recht
farbenfrohes Bild davon. So
wuchs er als junger,
glücklicher Prinz gleich in
drei Palästen auf und wurde
von seinem Vater in
liebevoller Weise vor aller
Berührung mit der Not, der
Pein und dem Leid des
menschlichen Lebens bewahrt.

Siddhattha
Gotama war Mitglied der
Khattiya-Kaste und genoss
dadurch eine gründliche
Ausbildung in den
militärischen Künsten. Auch
saß er oft zu Füßen der
großen Weisen und war
deshalb schon früh mit allen
philosophischen Lehren
seiner Zeit vertraut.
So konnten ihm die
Schullehrer dann auch nicht
mehr viel beibringen, da er
das meiste bereits wusste.
In manchen Dingen soll er
sogar schlauer als seine
Lehrer gewesen sein. In der
Buddhabiografie des Mahāyāna
Buddhismus „Lalitavistara“,
die aus dem 2-3
nachchristlichen Jahrhundert
stammt, wird von seinem
ersten Schultag berichtet,
dass er ein Schreibbrett von
himmlischer Farbe, das aus
bestem Sandelholz
hergestellt worden war,
hatte. Es besaß reichliche
Verzierungen aus Gold und
schöne Einlegearbeiten mit
Perlen. Zu seinem Lehrer
Visvamitra sprach er:
„‚Welche Schrift, Meister,
willst du mich lehren? Die
Brahmi, die Kharosthi, die
Puskarasari, die Schrift von
Agna, Vanga oder Magadha?‘
Nachdem er
unterschiedlichste Schriften
aufzählte, schloss er mit
den Worten: ‚Welche von
diesen vierundsechzig
Schriften also willst du
mich lehren, Meister?‘ Da
staunte Visvamitra, der
Lehrer des Knaben, lächelte
und sprach...: ‚Es ist
erstaunlich, wie sich das
reine Wesen hier auf Erden
dem Brauch der Welt anpasst.
Obwohl es alle Lehrbücher
bereits studiert hat, ist es
doch in die Schule
gekommen! Schriften, deren Namen ich
nicht einmal kenne, sind ihm
geläufig, und doch ist es in
die Schule gekommen.“
Als Siddhattha Gotama
erwachsen wurde, stellte man
ihm 500 Edeldamen vor, damit
er sich von ihnen eine als
Frau auswähle. Im Alter von
16 Jahren heiratete er
Yasodharā (eine seiner
Cousinen) und wurde nach 13
Jahren Ehe glücklicher Vater
seines Sohnes Rāhula, der in
Frieden, Reichtum und mit
einem guten Ruf sein Leben
bestritt.
Eines Tages, so
die Legende, ging Siddhattha
Gotama aus seinem Palast
fort. Bei seiner Exkursion
sah er in den Gassen der
Stadt einen sehr alten Mann
im Volk. Beim nächsten Mal
sah er einen Kranken und bei
seinem dritten Ausflug
schließlich gar einen Toten,
der, von trauernden
Verwandten und Freunden
begleitet, zur Verbrennung
getragen wurde. Dies war
Grund genug für ihn, sich
erste Gedanken über den Sinn
des Lebens, der Geburt und
des Alterns, zu machen. Dazu
erzählte er bei einer
späteren Gelegenheit seinen
Jüngern einmal:
„Mit solchem Reichtum, ihr Jünger,
war ich begabt, in solch
übergroßer Herrlichkeit
lebte ich.
Da erwachte in mir dieser
Gedanke: ‚Ein unwissender
Alltagsmensch, ob er gleich
selbst dem Altern
unterworfen und von des
Alters Macht nicht frei ist,
fühlt Abscheu, Widerwillen
und Ekel, wenn er einen
anderen im Alter sieht: der
Abscheu, den er da fühlt,
kehrt sich gegen ihn selbst.
Auch ich bin dem Altern
unterworfen und von des
Alters Macht nicht frei.
Sollte auch ich, der ich dem
Altern unterworfen und von
des Alters Macht nicht frei
bin, Abscheu, Widerwillen
und Ekel fühlen, wenn ich
einen anderen im Alter sehe?
Das käme mir nicht zu. Indem
ich, ihr Jünger, also bei
mir dachte, ging mir aller
Jugendmut, der der Jugend
innewohnt, unter.
So, o Mönche, forschte ich vor meiner
Erleuchtung, da ich selbst
der Geburt unterworfen bin,
nach dem Wesen der Geburt;
da ich dem Altern
unterworfen bin, nach dem
Wesen des Alterns, der
Krankheit, des Leides, der
Unreinheit. Da dachte ich:
‚Was, wenn ich, da ich der
Geburt unterworfen, das
Wesen der Geburt erforsche
... und da ich das
verderbliche Wesen der
Geburt erkannt habe, den
geburtlosen, den
allerhöchsten Frieden des
Nirwana aufsuchte?“
Dies war dann der Beginn der
Erleuchtung – der
Ausgangspunkt seines langen
Weges in der
Abgeschiedenheit – der
Grund, warum er seine
Familie und seinen Reichtum
verließ...
Siddhattha Gotamas Aufbruch
Bei seinem vierten Ausflug
in die Alltagswelt begegnete
Siddhattha einem Asketen.
Die Asketen waren
ausnahmslos Männer, die auch
als Samaṇas bezeichnet
wurden. Es handelte sich
dabei um wandernde Pilger
auf der Suche nach einem Weg
der Befreiung aus der
scheinbaren Sinnlosigkeit
des Lebens. Diese Begegnung
war ausschlaggebend für die
Art des Beginns seiner Suche
nach der Erleuchtung, denn
genau so sah dabei seine
erste Zeit aus.

In einer offenbar ganz
spontanen Eingebung
beschloss Siddhattha Gotama
plötzlich seine Familie und
seinen Reichtum zu
verlassen, fortzuziehen und
ein „Asket in der Wüste“ zu
werden. So schlich er eines
Nachts in das Zimmer seiner
schlafenden Gemahlin und
blickte zum letzten Mal auf
sie und seinen Sohn. Als er
das Schlafgemach betrat,
brannte dort eine Lampe mit
wohlriechendem Öl und das
Bett war mit duftenden
Jasminblüten und anderen
Blumen geschmückt. Die Hand
seiner Frau lag im Schlaf
auf dem Haupte von Rāhula,
ihrem gemeinsamen Sohn.
Während Siddhattha noch mit
dem Fuß auf der Schwelle der
Tür stand, überkam ihn der
Gedanke, die Hand seines
Weibes zur Seite zu schieben
und seinen Sohn mitzunehmen.
Doch der Umstand, dass sie
dabei erwachen würde, ließ
ihn von dieser Idee wieder
absehen. Mit dem tröstenden
Gedanken später, als Buddha,
einmal wiederzukehren um
seinen Sohn zu sehen verließ
er schließlich alleine den
Palast und ging in die Welt
hinaus.
Der lange Weg bis zur
Erleuchtung Buddhas

Der Morgen graute bereits,
als Siddhattha Gotama auf
seinem Pferd Kanthaka die
Stadt verließ. Am Schwanz
des Pferdes klammerte sich
sein treuer Wagenlenker
Chaṇṇa fest. Es war sein
verzweifelter Versuch den
Prinzen Gotama
zurückzuhalten. Doch der
Versuch schlug fehl. In
dieser Situation erschien
ihm Māra, der Fürst des
Bösen, das personifizierte
Böse selbst. Māra versuchte
ihn, indem er ihm mächtige
Reiche versprach. Doch
Siddhattha Gotama widerstand
der Versuchung und lehnte
ab. Sein Ritt ging weiter
und mit einem einzigen,
mächtigen Satz übersprang er
einen großen Strom. Da
verspürte er plötzlich Lust
sich umzuschauen um auf
seine Heimatstadt zu
blicken. Doch auch dieser
Versuchung widerstand er.
Weiter sagt die Legende,
dass sich dann die große
Erde drehte, damit er nicht
zurückblicken müsste..

An einem Ort namens Uruvelā
hielt er an. Dieser war nach
seinem Geschmack,
erquickend, bei einem
schönen Wald, einem klaren
Fluss mit angenehmen
Badestellen und prächtigen
Wiesen ringsherum zwischen
den Dörfern. Sechs Jahre
lang ergab er sich hier den
strengsten Formen der
Askese. Dabei übte er sich
auch in den Künsten der
Yogis, die schon damals im
indischen Raum weit
verbreitet waren. Seine
Nahrung, die er zu sich
nahm, war so schlicht, dass
sie schlichter nicht sein
konnte. Er ernährte sich
fast ausschließlich von
Samen und Gras und aß eine
Zeitlang nur Dünger.
Schließlich beschränkte er
seinen täglichen
Nahrungsbedarf auf ein
einziges Reiskorn pro Tag.

„...Dann dachte ich: ‚Was, wenn ich
nur wenig Nahrung zu mir
nähme, gerade soviel, wie meine hohle Hand fasst;
Bohnensaft, Plattererbsen
oder Hülsenfrüchte?‘ ...
Mein Körper wurde
außergewöhnlich mager. Die
Spur meines Sitzes war wie
der Fußabdruck eines Kamels;
das kam vom wenigen Essen.
Wenn ich mich neigte und
wieder aufrichtete, waren
die Knochen meiner
Wirbelsäule wie eine Reihe
Spindeln; das kam vom
wenigen Essen. Und wie man
in einem tiefen Brunnen ganz
tief unten das Leuchten des
Wassers sieht, so sah man in
meinen Augenhöhlen ganz tief
unten das Leuchten meiner
Augen; das kam vom wenigen
Essen. Und wie ein roher
Kürbis von Regen und Sonne
auswittert, so schrumpfte
meine Kopfhaut vom wenigen
Essen ein. Wenn ich die Haut
meines Bauches anfassen
wollte, fiel ich mit dem
Gesicht zur Erde; das kam
vom wenigen Essen. Um dem
Körper zu helfen, schlug ich
meine Glieder mit der Hand,
und da ich so tat, fielen
die brüchigen Haare von
meinem Körper; das kam vom
wenigen Essen.“
Nur die Haare seines Körpers
dienten ihm eine Zeitlang
als Kleidung. Die Kopf- und
Barthaare riss er sich
selbst im Sinne einer
Selbstgeißelung aus. Auch
stand oder lag er oft
stundenlang auf Dornen um
sich zu quälen. Den Staub
und Schmutz ließ er seinen
Körper bedecken, so dass er
oft wie ein alter Baum
aussah. Zu weiteren Qualen
suchte er einen Ort auf, an
dem Menschenleichen den
Vögeln und Tieren zum Fraß
ausgesetzt wurden. Häufig
schlief er dann auch
zwischen den stinkenden und
faulenden Kadavern
Zum Schluss dieser Phase
seines Lebens bestand die
Person Siddhattha Gotama
praktisch nur noch aus Haut
und Knochen. Völlig
entkräftet und abgemagert
schleppte sich sein
gepeinigter Körper durchs
Dasein. Und obwohl er die
strengen asketischen Übungen
mit großer Hingabe betrieben
hatte kam er bei seiner
Wahrheitssuche keinen
Schritt weiter. Die
Selbstpeinigung hatte nicht
zum Ziel geführt. Dieser
Gedanke kam ihm auch selbst
und er stellte fest, dass
ihm die Erniedrigungen und
Kasteiungen die erhoffte
Erleuchtung nicht gebracht
hatten.
Das Gegenteil von all dem
schien eher der Fall zu
sein. Der gewisse Stolz des
Siddhattha Gotama auf seine
Selbstkasteiung schien alle
Heiligkeit, die daraus hätte
erwachsen können, verfälscht
und in weite Ferne gerückt
zu haben. Vermutlich noch
gerade rechtzeitig gelangte
er zu dieser Einsicht und
gab das Asketentum auf. Er
verließ die Samaṇas und
führte sein Leben alleine
weiter.
Dabei schlug er einen
„mittleren Weg“ zwischen
Askese und bürgerlichem
Leben ein. Das hatte zur
Folge, dass er auch wieder
Nahrung (wenn auch nur
wenig, so aber doch
ausreichend) zu sich nahm.
Dieser Sinneswandel war
praktisch der zweite
wichtige Wendepunkt in
seinem Leben und wurde
später als „Erwachen“
bezeichnet. Deshalb wurde
Buddha teilweise auch „der
Erwachte“ betitelt.
Eines
Tages ließ er sich im
Schatten unter einem
Bodhi-Baum nieder. So blieb
er unentwegt und
bewegungslos sitzen, im
festen Entschluss, diese
Haltung nicht eher
aufzugeben bis ihm die
Erleuchtung kam. „Was“, so
fragte er sich, „ist die
Quelle des menschlichen
Elends, des Leidens, der
Krankheit, des Alterns und
des Sterbens?“ In diesem
Augenblick überkam ihn eine
endlose Vision von Tod und
Wiedergeburt, die jedes
Dahinscheiden durch eine
erneute Geburt aufs
Gründlichste vereitelte.
Jede Freude und jeder
Frieden wurde so durch neue
Unzufriedenheit, neue
Enttäuschungen, neues Leid
und neue Pein getrübt.
Die Überlieferung spricht
von diesen langen Stunden
der Meditation, dass es eine
Zeit war, in der Māra erneut
kam, um die Erleuchtung zu
verhindern und den
angehenden Buddha zu
versuchen. Doch auch diesmal
hatte der Fürst des Bösen
kein Glück und der Gotama
widerstand ein weiteres Mal.
In dieser Phase seines
Lebens wurde er der Legende
nach mehrmals von Māra
heimgesucht. So soll Māra
einmal zu ihm gesagt haben:
„Hager und hässlich siehst
du aus, dem Sterben nahe.
Tausend deiner teile sind
schon tot, nur eines noch
lebt.“
Das Angebot von Māra
lautete, ihn zu verschonen,
wenn er sein Streben
aufgeben würde. Doch Gotama
ließ sich wieder nicht auf
ein Geschäft mit dem Bösen
ein und beharrte darauf
weiter zu forschen.
Ein anderes Mal erkundigte
sich Māra bei ihm, warum er
sich denn nicht vor ihm
fürchte. Die Begründung
lautete, dass
Gebefreudigkeit und andere
Tugenden in einem früheren
Leben ihn heute standhaft
bleiben lassen würden. Māra
zweifelte und wollte einen
Beweis. Darauf antwortete
der Gotama: „Diese weite
Erde sei mein Zeuge, indem
sie in sechs mal sieben
Stößen erbebe.“ Daraufhin
erhob sich ein dröhnendes
Erdbeben und der Beweis für
Māra war gegeben.
Zurück zu den Gedanken des
Buddha bei der Erleuchtung:
Geburt als das Übel allen
Bösen? – Die Geburt, der
Beginn des irdischen
Daseins, eines der Grundübel
unserer Gesellschaft? Die
Antwort auf diese Fragen,
die der Buddha bei seiner
Erleuchtung erhielt, ist:

„Weil das Gesetz des Kamma neue
Verkörperungen verlangt, in
denen „man“ die Auswirkungen
für die in den vergangenen
Existenzen begangenen
Missetaten erfährt. Wenn
jedoch ein Mensch ein Leben
vollkommener Gerechtigkeit,
unwandelbarer Geduld und
Herzlichkeit gegenüber allen
Wesen leben könnte, wenn er
seine Gedanken den ewigen
Dingen weihen könnte und
sein Herz nicht an jene
Dinge hinge, die vergehen
werden – dann würde ihm die
Wiedergeburt vielleicht
erspart bleiben, und der
Brunnen des Bösen würde für
ihn versiegen.“
Die Erleuchtung Siddhattha
Gotamas zum Buddha hat
schließlich doch noch
stattgefunden; nach sieben
mühseligen Jahren, unter
einem Feigenbaum zu Uruvelā,
nahe dem heutige Gayā.
So
zog er fort zu der heiligen
Stadt Benares. Dort, im
Tierpark Isipatana (heute
Sarnath), hielt er seine
erste Predigt als Buddha
unter freiem Himmel. Seine
Hörer waren seine fünf
Gefährten von einst, mit
denen er eine ganze Zeit des
Weges bestritten hatte.
Diese fünf Asketen hatten
ihn verlassen, als er sich
dem „mittleren Weg“ hingab.
Die Predigt ist als „Dhammacakkappavattana
Sutta“ (= das in Bewegung
setzen des Rades der Lehre)
in die Geschichte
eingegangen.
Auf die Zeit, die Siddhattha
Gotama Buddha predigend und
lehrend bis zu seinem Tod
verbrachte, soll hier nicht
näher eingegangen werden. Es
wird berichtet, dass der
Buddha für diese Aufgabe
noch gut 40 Jahre,
wahrscheinlich ziemlich
genau 44 Jahre, Zeit
verbringen konnte bzw.
musste bevor er sein
irdisches Leben beendete.
Der
Tod des Buddha in Kusināra
Nicht lange vor seinem Tod
wurde der Buddha von seinem
Lieblingsschüler Ānanda
gefragt, wie sein späteres
Begräbnis vollzogen werden
solle. Daraufhin antwortete
der Buddha, dass er dies den
gläubigen Laien und Prinzen
überlassen könne. Dies wurde
so interpretiert, dass man
ihn auf die Begräbnisweise
berühmter Leute unter einem
großen Grabhügel be statten
müsse.
Der Tod des Buddha selbst
ist besonders ausführlich im
„Mahā Parinibbāna Sutta“
(der Rede über den Eintritt
in das endgültige Nibbāna)
beschrieben. Kurz vor seinem
Tod wurde er demnach wieder
von Māra, dem
personifizierten Bösen,
heimgesucht, der ihn drängte
doch endlich in das Nibbāna
einzutreten. Der Buddha
versicherte ihm, dass dies
in Kürze auch geschehen
würde. Doch das bedeutete
keinesfalls einen Sieg für
das Böse, da die Lehre des
Buddha bereits im ganzen
Land verbreitet war und sich
immer mehr Anhänger fanden,
die die Lehre weitergaben.
Der Buddhismus war auf dem
Vormarsch, und nichts konnte
ihn mehr aufhalten.
Der Erleuchtete starb
schließlich im Jahre 483 v.
Chr. im Alter von 80 Jahren
in Kushinagar (heute Kasia,
ein Ort nördlich von Patna,
unmittelbar südlich der
nepalesischen Grenze). Seine
letzten Worte, an seine
Jünger gerichtet, lauteten:
„Wohlan, Ihr Jünger, ich rede zu
euch; vergänglich ist alles,
was da geworden ist; ringet
ohne Unterlass!“
Sieben Tage nach dem Tod des
Buddha wurde sein Leichnam
unter höchsten Ehren und mit
Zeremonien, wie sie sonst
nur Königen zuteil kamen,
verbrannt. Die Reste seiner
Gebeine wurden unter acht
Gruppen seiner Anhänger
aufgeteilt. Sie zählen heute
zu den wichtigsten Reliquien
des Buddhismus. Über ihnen
hat man bald darauf Stupas
errichtet.
Im Jahre 1898 fand man im
Stupa des nahegelegenen
Piprāvā ein Kästchen, dessen
Inschrift bezeugt, dass ein
gewisser Sukiti mit seinen
Angehörigen diese Reliquie
mit Teilen der Gebeine des
Buddha hier beigesetzt hat.

Die Karte zeigt die indisch
/ tibetischen Grenzregion
zur Zeit Buddhas.
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