Dhammapada

Das Kapitel des Weisen - Pandita

 

 

Triffst einen du, der dir die Fehler aufweist,

Als ob verborgnen Schatz er dir enthüllte,

Der weise ist und mahnend dich zurechtweist,

Mit solchem Weisen mögst du Umgang pflegen;

Den einem, der mit solchem Menschen umgeht,

Gereichet es zum Guten, nicht zum Schlechten.

 

 

Ermahne, unterweise du,

Von bösen Dingen halt’ zurück;

So bist bei Guten du beliebt,

Bei Bösen aber unbeliebt.

 

 

Geh’ nicht mit bösen Freunden um,

Mit Menschen, die gar niedrig sind;

Mit edlen Menschen pfleg’ Verkehr,

Mit Menschen, die die höchsten sind.

 

 

 

Wer das Gesetz gekostet hat,

Lebt glücklich und geklärt im Geist.

Stets frut den Weisen das Gesetz,

Das von den Edlen ward gehüllt.

 

 

 

Die Wasserleiter leiten Wasser,

Die Bogner schlichten ihren Pfeil,

Die Zimmerleute schlichten Holz,

Die Weisen bändigen ihr Selbst.

 

 

 



Gleichwie ein Fels aus einem Stück

Vom Winde nicht erschüttert wird,

So bringen weder Lob noch Tadel

Den Weisen je aus seiner Ruh’.

 

 

Gerade wie ein tiefer See

Kristallklar ist und ungetrübt,

So werden auch die Weisen klar,

Wenn sie vernehmen das Gesetz.

 

 

 

Die Edlen überall Entsagung üben,

Nicht schmusen wunschbegierig die Vollkommenen;

Die Weisen, ob sie Glück trifft oder Unglück,

Nicht hoch- noch tiefgemut sich jemals zeigen.

 

 

 

Nicht für sich selber und auch nicht für andre

Begehre man nach Kind, Reichtum und Herrschaft;

Nicht unrechtlich wünsch’ eigenen Erfolg man,

Sei sittenrein, rechtschaffen und voll Einsicht.

 

 

 

Nur wenige der Menschen sind

Zum andern Ufer hingelangt

Doch alles dieses andre Volk

Läuft bloß am Ufer auf und ab.

 

 

 



Doch wer da nach der Lehre lebt,

Die recht verkündet worden ist,

Gelangt zum andern Ufer hin.

Ja, schwer kreuzt sich das Todesreich.

 

 

 

Das Finstre geb’ der Weise auf,

Das Lichte bring’ zum wachsen er.

Vom Haus ins Hauslose gelangt

Er sich an Loslösung erfreu’.

 

 

 

 

Woran sich zu erfreuen schwer.

Die Wünsche lassend, ohne Hang,

Mög’ läutern er sein eigen Selbst

Von allen Trübungen des Geistes

 

 


Wer recht den Geist entfaltet hat

In den Erläuchtungsgliedern sieben

Und alles Haften fahren ließ,

Froh ist, von allen Hang befreit,

der Triebversiegte, Stahlende,

der ist erloschen in der Welt.

 

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