Das
Kapitel über die Toren -
Bala

Lang ist dem Wachenden die
Nacht,
Die Meile lang dem müden
Mann,
Weltwand’rung lang dem
Torenvolk,
Das nicht die rechte Lehre
kennt.

Wenn du auf deinem Pfade
nicht
Den triffst, der besser oder
gleich,
Dann wand’re wacker ganz
allein;
Gemeinsames gibt’s nicht mit
Tor’n.

„Ich habe Kinder, habe
Geld“:
So denkend quälet sich der
Tor.
Man hat nicht mal ein eignes
selbst,
Woher gar Kinder oder Geld?

Der Tor, der sich für
töricht hält,
Insofern schon ein Weiser
ist.
Doch wer als Tor sich weise
dünkt,
Der wahrlich gilt mit Recht
als Tor.

Wenn auch der Tor sein Leben
lang
Mit einem Weisen Umgang
pflegt,
Erkennt er doch nicht das
Gesetz,
Wie Löffel nicht den
Suppengeschmack.

Wenn auch der Kluge nur ganz
kurz
Mit einem Weisen Umgang
pflegt,
Erkennt er das Gesetz doch
bald,
Wie Suppengeschmack die
Zunge schmeckt.

Es lebt der einsichtslose
Tor
Gleichsam mit Feindschaft in
sich selbst,
Indem er böse Tat verübt,
Die ihm gar bitt’re Früchte
bringt.

Nicht wohlgetan ist solche
Tat,
Nach deren Tun sich einer
grämt
Und tränenvollen Angesichts
Weinend die Furcht an sich
erfährt.

Doch jene Tat ist wohlgetan,
Nach deren Tun man sich
nicht grämt
Und man, zufrieden,
frohgemut,
Die Wirkung an sich erfährt.

Wie Honig es dem Toren
dünkt,
Solang’ das Böse noch nicht
reift;
Sobald jedoch das Böse
reift,
Der Tor in tiefes Leid
gerät.

Mag alle Monat auch der Tor
Sein mahl verzehr’n mit
Grashalmspitze,
So ist er doch kein
Sechzehntel
Von dem Wert, der’s Gesetz
erwägt.

Die ausgeführte Böse Tat
Wie frische Milch nicht
gleich gerinnt.
Versengend folgt dem Toren
sie
Wie Feuer, das die Asche
deckt.

Zu seinem eignen Schaden
bloß
Das Wissen sich im Toren
zeigt;
Das Höchste richtet’s ihm
zugrund,
Zertrümmert ihm sein lichtes
Los.

Unverdiente Achtung sucht
er,
Vorrang unter Ordensbrüdern,
Oberleitung in den Klöstern,
Schenkung in fremden
Häusern.

„Meine Tat bloß sollten
kennen
Hausleute wie Mönche, beide:
Mir bloß sollte sie
gehorchen,
Überall, in allen Dingen“:
Solch Denken hegt der Tor in
sich,
Und Wunsch und Dünkel
wachsen an.
Der eine Pfad führt zu
Gewinn,
Ein and’rer zu des Nirwahns
Ziel.
Der Mönch, der dieses so
erkannt,
Der Jünger der Erleuchteten,
Sollt’ sich an Ehren nicht
erfreu’n,
Der Einsamkeit geb’ er sich
hin.
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