Das
Kapitel der Tausend -
Sahassa

Und seien’s tausend Reden
auch
Aus Worten ohne Sinn gefügt,
Besser ein einzig sinnvoll
Wort,
Durch das dem Hörer Frieden
wird.

Und seien’s tausend Verse
auch
Aus Worten ohne Sinn gefügt,
Ein einz’ger Halbvers besser
ist,
Durch den dem Hörer Frieden
wird.

Und spräch’ man hundert
Verse auch
Aus Worten ohne Sinn gefügt,
Besser ein einz’ges
Wahrheitswort,
Durch das dem Hörer Frieden
wird.

Ob man zu Tausenden auch da
Die Mannen in der Schlacht
besiegt,
Wer Eines nur, sein Selbst,
besiegt,
Der wahrlich ist der höchste
Held.

Sich selbst besiegen besser
ist
Als diese andern Menschen
all.
Dem Mann, der selbstbezähmet
ist
Und jeder Zeit gezügelt
lebt.

Dem Mann von solchem Wesen
kann
Kein Gott, kein
Himmelgenius,
Der Mara nicht, auch Brahma
nicht,
zunichte machen seinen Sieg.’.

Mag Tausende allmonatlich
Man opfern hundert Jahre
lang,
Doch einen Selbstgeschulten
nur
Für einen Augenblick
verehr’n,
So gilt solch’ Ehrbezeigung
mehr
Also opfern hundert Jahre
lang.

Mag man auch hundert Jahre
lang
Dem Feuer widmen sich im
Wald,
Doch einen Selbstgeschulten
nur
Für einen Augenblick
verehr’n,
So gilt solch’ Ehrbezeigung
mehr
Als opfern hundert Jahre
lang.

Welch’ Gaben und Geschenke
dieser Welt auch
Ein Jahr lang der
Verdienstbegier’ge opfert,
All das kein Viertel wert
ist der Verehrung:
Verneigung vor
Geradwandelnden ist besser.

Wer ehrerbiet’gen Wesens
ist,
Stets den Gereiften Ehr’
erweist,
Bei dem gedeih’n der Dinge
vier:
Lang’ Leben, Schönheit,
Glück und Kraft.

Und lebt’ man hundert Jahre
auch,
Doch ohne Sammlung, ohne
Zucht,
Besser ein Lebenstag des
Manns,
Der sittlich ist und
selbstvertieft.

Und lebt’ man hundert Jahre
auch,
Doch ungesammelt,
einsichtlos,
Weit besser ist’s, wenn
einen Tag
Man weise ist und
selbstvertieft.

Und lebt man hundert Jahre
auch,
Doch träge, ohne
Willenskraft,
Besser ein Lebenstag des
Manns,
Der mächtig einsetzt seine
Kraft.

Und lebt man hundert Jahre
auch,
Doch merkt nicht das
Entstehn-Vergehn,
Besser ein Lebenstag des
Manns,
Der das Entstehn-Vergehn
erkennt.

Und lebt man hundert Jahre
auch,
Doch schaut nicht das
todlose Reich,
Weit besser ein Lebenstag
dessen,
Der’s todlose Reich hat
geschaut.
Und lebt man hundert Jahre
auch,
Doch schaut nicht das
höchste Gesetz,
Weit besser ein Lebenstag
dessen,
Der’s höchste Gesetz hat
geschaut.
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