Das
Kapitel über das Gesetz -
Dhammattha

Nicht ist gesetzesfest
einer, der
Mit Willkür das Gesetz
auslegt.
Der Weise, der da beides
prüft,
Das Rechte wie das Falsche
auch,

Ohn’ Willkür und gesetzgemäß
Und unparteilich andre
prüft,
Und so an das Gesetz sich
hält,
Solch Weiser als gesetzfest
gilt.

Nicht darum man als Weiser
gilt,
Weil man gar viel zu reden
weiß;
Wer friedvoll, sündlos,
furchtlos ist,
Der gilt fürwahr als weiser
Mann.

Nicht gilt man als
gesetzerfahr’n,
Weil man gar viel zu reden
weiß;
Doch wer, bei wenig Kenntnis
selbst,
Leibhaftig das Gesetz
durchschaut
Und nicht mehr abläßt vom
Gesetz,
Der wahrlich ist
gesetzerfahr’n.

Ehrwürdig ist man nicht
darum,
Weil man ergrautes Haupthaar
hat;
Wenn’s Leben auch gereift
schon ist,
Mag doch ein alter Tor man
sein.

Wer Wahrheit uns Gesetz
befolgt,
Mild ist, gezügelt und
beherrscht,
Solch fleckenloser, ernster
Mann
Als Ehrwürdiger gilt mit
Recht.

Nicht wegen bloßer schöner
Worte,
Nicht wegen Anmut der
Gestalt
Nennt man von edler Art den
Mann,
Der Neid und Geiz und List
besitzt.

Wer aber alles dies
zerstört,
Entwurzelt und entrodet hat,
Solch haßgeklärter Weiser
gilt
Als Mensch von edler Art mit
Recht.

Nicht wird man Mönch durch
die Tonsur;
Wie könnt wohl Mönch auch
einer sein,
Der ohne Zucht ist,
lügnerisch,
Von Wünschen und von Gier
erfüllt?.

Doch wer die üblen Dinge
ganz
Besänftigt, ob klein, ob
groß,
Wird, weil er’s Böse hat
besänftigt,
ein Samana, ein Mönch
genannt.

Nicht darum ist man
Bettelmönch,
Daß man bei andern betteln
geht.
Wer ungeradem Wege folgt,
Gilt darum nicht als
Bettelmönch.

Wer aber gut wie böse da
Als Heil’ger aufgegeben hat
Und in der Welt bedachtsam
lebt,
Der wahrlich wird ein Mönch
genannt.

Durch Schweigen wird der
blinde Tor
zum stillen Denker
nimmermehr.
Wer weise wie auf einer
Waage
Abwägt und sich das Beste
nimmt,

Das Böse läßt, der gilt als
Denker,
Als stiller Denker
dessenthalb.
Wer beide Welten klar
durchschaut,
Darob als stiller Denker
gilt.

Nicht darum gilt man als ein
Herr,
Daß man die Wesen leiden
läßt;
Wer keinem Wesen wehetut,
Den nennt man einen edlen
Herrn.
Durch Regeln und durch Riten
nicht,
Auch nicht durch große
Wissensmacht,
Auch durch Gewinn der
Sammlung nicht,
Nicht durch entleg’ne
Lagerstatt,

Gewann ich der Entsagung
Glück,
Das nie ein Weltling hat
erlebt.
O Mönch, sei nicht zu
selbstgewiß,
Bevor die Triebe sind
versiegt!
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