Dhammapada

Das Flecken Kapitel - Mala

 

 

Du gleichest einem welken Blatte,

Die Todesboten warten schon auf dich;

Und du stehst an des Abschieds Schwelle,

Wegzehrung aber hast du nicht bei dir.

 

 

Erbaue dir ein eigen Eiland

Und arbeit’ eiligst, werd’ ein weiser Mann

Von Flecken lauter, ohne Makel,

Erreichst Du dann das himmlisch edle Reich.

 

 

 

Die Lebenszeit hast du nun abgelegt,

Bist hingetreten vor den Todesgott.

Auf deinem Weg find’st du keine Rast,

Auch gibt es keine Wegzehrung für dich.

 

 

 

Erbaue dir ein eigen Eiland

Und arbeit’ eiligst, werd’ ein weiser Mann.

Von Flecken lauter, ohne Makel,

Verfällst Geburt und Alter du nicht mehr.

 

 

 

Wie das Gold der Goldschmied reinigt,

Mach’ der Weise ganz allmählich,

Immer weiter, Stuf’ um Stufe,

Frei sich von den eignen Flecken.

 

 

 

Wie auf dem Eisen da der Rost entsteht

Und, dort entstanden, sich ins Eisen einfrißt,

Genauso führet auch die eigne Tat

Die maßlos Lebenden zur Leidenswelt.

 

 

 

Nichtüben ist des Wissens Fluch,

Des hauses Fluch untätigkeit,

Trägheit der Fluch der Schönheit ist

Und Lässigkeit des Wächters Fluch.

 

 

 

Durch Schlechtigkeit wird’s Weib befleckt,

Durch Knauserei, wer gaben gibt.

Solch bösen Dinge Flecken sind

In dieser und der nächsten Welt.

 

 

Noch größ’ren Flecken als jenen gibt’s:

Verblendung ist der größte Fleck;

So überkommt denn diesen Fleck

Und lebet, Mönche, fleckenlos.

 

 

 

Der Schamlose lebt leicht dahin,

Der freche Rabe, Lästerer,

Der Prahler, der Vermessene,

Der ein verdorb’nes Leben führt.

 

 

 

Schwer lebt sich’s für den Schamhaften,

Der allzeit nach der Reinheit strebt,

Der losgelöst, bescheiden ist,

Der lauter lebt und klar erkennt.

 

 

 

Wer Lebewesen bringet um,

Und lügenhafte Worte spricht,

An fremden gute sich vergreift,

Zum Weibe seines nächsten geht,

 

 

 

Und dem Genuß von Wein und Schnaps

Ergeben ist, ein solcher Mann

Gräbt sich schon hier in dieser Welt

Die eignen Lebenswurzel aus.

 

 

 

So wisse denn, mein lieber Mann:

Wer Übles tut, ist unbeherrscht.

Mög’ Gier und Falschheit nimmer dich

Ins Leiden zwingen lange Zeit.

 

 

 

Das Volk gibt gaben aus Vertrau’n,

Und auch aus Neigung tut es dies.

Wer da verstimmt ist über das,

Was andre trinken und verzehr’n,

Der wird, weder bei Tag noch Nacht,

Die Sammlung sich erringen je.

 



Wer aber diesen Trieb zerstört,

Entwurzelt und entrodet hat,

Der mag, bei Tage oder Nacht,

Erringen rechte Sammlung sich.
 

 

 

 

Kein Feuer brennt so wie die Gier,

Kein Griff greift fester als der Haß,

Kein Netz verstrickt so wie der Wahn,

Kein Strom gleicht dem Begehrensstrom.

 

 



Der andern Fehler sieht man leicht,

Schwer aber man die eignen sieht;

Der andern Fehler deckt man auf

Grad wie man aussondert die Spreu,

Die eignen aber man verdeckt

Wie Falschspieler den schlechten Wurf.

 

 

 

Wer stets der andern Fehler sucht,

Beständig auf Bekrittlung sinnt,

Dem wachsen alle Triebe an;

Der Triebversiegung ist er fern.

 

 

 



Im Luftraum bleibet keine Spur,

Und keinen Mönch gibt’s außerhalb.

An Weltlichkeit freut sich die Welt,

Vollendete sind weltentrückt.

 

 

 

Im Luftraum bleibet keine Spur,

Und keinen Mönch gibt’s außerhalb.

Daß nichts Beständigkeit besitzt:

Davon kein Budha gehet ab.

 

 

 

 

Zurück zur Kapitelauswahl >>

Wat Sibounheuang © 2008 | IMPRINT