Das
Flecken Kapitel - Mala

Du gleichest einem welken
Blatte,
Die Todesboten warten schon
auf dich;
Und du stehst an des
Abschieds Schwelle,
Wegzehrung aber hast du
nicht bei dir.

Erbaue dir ein eigen Eiland
Und arbeit’ eiligst, werd’
ein weiser Mann
Von Flecken lauter, ohne
Makel,
Erreichst Du dann das
himmlisch edle Reich.

Die Lebenszeit hast du nun
abgelegt,
Bist hingetreten vor den
Todesgott.
Auf deinem Weg find’st du
keine Rast,
Auch gibt es keine
Wegzehrung für dich.

Erbaue dir ein eigen Eiland
Und arbeit’ eiligst, werd’
ein weiser Mann.
Von Flecken lauter, ohne
Makel,
Verfällst Geburt und Alter
du nicht mehr.

Wie das Gold der Goldschmied
reinigt,
Mach’ der Weise ganz
allmählich,
Immer weiter, Stuf’ um
Stufe,
Frei sich von den eignen
Flecken.

Wie auf dem Eisen da der
Rost entsteht
Und, dort entstanden, sich
ins Eisen einfrißt,
Genauso führet auch die
eigne Tat
Die maßlos Lebenden zur
Leidenswelt.

Nichtüben ist des Wissens
Fluch,
Des hauses Fluch untätigkeit,
Trägheit der Fluch der
Schönheit ist
Und Lässigkeit des Wächters
Fluch.

Durch Schlechtigkeit wird’s
Weib befleckt,
Durch Knauserei, wer gaben
gibt.
Solch bösen Dinge Flecken
sind
In dieser und der nächsten
Welt.

Noch größ’ren Flecken als
jenen gibt’s:
Verblendung ist der größte
Fleck;
So überkommt denn diesen
Fleck
Und lebet, Mönche,
fleckenlos.

Der Schamlose lebt leicht
dahin,
Der freche Rabe, Lästerer,
Der Prahler, der Vermessene,
Der ein verdorb’nes Leben
führt.

Schwer lebt sich’s für den
Schamhaften,
Der allzeit nach der
Reinheit strebt,
Der losgelöst, bescheiden
ist,
Der lauter lebt und klar
erkennt.

Wer Lebewesen bringet um,
Und lügenhafte Worte
spricht,
An fremden gute sich
vergreift,
Zum Weibe seines nächsten
geht,

Und dem Genuß von Wein und
Schnaps
Ergeben ist, ein solcher
Mann
Gräbt sich schon hier in
dieser Welt
Die eignen Lebenswurzel aus.

So wisse denn, mein lieber
Mann:
Wer Übles tut, ist
unbeherrscht.
Mög’ Gier und Falschheit
nimmer dich
Ins Leiden zwingen lange
Zeit.

Das Volk gibt gaben aus
Vertrau’n,
Und auch aus Neigung tut es
dies.
Wer da verstimmt ist über
das,
Was andre trinken und
verzehr’n,
Der wird, weder bei Tag noch
Nacht,
Die Sammlung sich erringen
je.
Wer aber diesen Trieb
zerstört,
Entwurzelt und entrodet hat,
Der mag, bei Tage oder
Nacht,
Erringen rechte Sammlung
sich.

Kein Feuer brennt so wie die
Gier,
Kein Griff greift fester als
der Haß,
Kein Netz verstrickt so wie
der Wahn,
Kein Strom gleicht dem
Begehrensstrom.

Der andern Fehler sieht
man leicht,
Schwer aber man die
eignen sieht;
Der andern Fehler deckt
man auf
Grad wie man aussondert
die Spreu,
Die eignen aber man
verdeckt
Wie Falschspieler den
schlechten Wurf.

Wer stets der andern Fehler
sucht,
Beständig auf Bekrittlung
sinnt,
Dem wachsen alle Triebe an;
Der Triebversiegung ist er
fern.

Im Luftraum bleibet keine
Spur,
Und keinen Mönch gibt’s
außerhalb.
An Weltlichkeit freut sich
die Welt,
Vollendete sind
weltentrückt.

Im Luftraum bleibet keine
Spur,
Und keinen Mönch gibt’s
außerhalb.
Daß nichts Beständigkeit
besitzt:
Davon kein Budha gehet ab.
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